Migräne, eine humorlose Angelegenheit!

Schon als Kind hatte ich alle möglichen Krankheiten, die mit mehr oder weniger Schmerzen verbunden waren. Manche waren zwar ansteckend, aber gefährlich waren sie nicht. Die üblichen Kinderkrankheiten eben, die man damals nicht so dramatisiert hatte und auch nicht versucht hatte, sie wegzuimpfen. Neben diesen höchst unangenehmen Klassikern, wie Masern, Mumps, Röteln und Windpocken, gab es noch viele ungemütliche Konsorten, die in mir einen Wirt fanden.

Dennoch hat mein Humor mich nie verlassen. Bei den Windpocken habe ich die Pusteln gezählt, mit Halsschmerzen gab`s sogar manchmal ein Eis, um die Entzündung zu kühlen, die Schnupfnase erzeugte eine lustige Mickymausstimme und wer vor lauter Heiserkeit keine Stimme mehr hatte, brauchte nicht zu antworten, auf Fragen, die ohnehin nicht gehört werden wollten.

Während der Schulzeit konnte man sich mal eine Auszeit gönnen und eine Runde Mitleid einsammeln und tagsüber durfte ich in das Bett meiner Eltern. Und das war für mich das Schönste und Unterhaltsamste.

Ich teilte mir zu dieser Zeit noch ein Zimmer mit meiner älteren Schwester. Unser Zimmer hatte ein großes Fenster mit Blick auf unseren Garten. Obwohl ich unseren Garten und die Natur sehr liebte, bevorzugte ich im Schlafzimmer meiner Eltern aus dem Fenster zu schauen, das den Ausblick auf eine belebte Dorfstraße freigab.

Gegenüber von unserem Haus war ein Lebensmittelladen, ein sogenannter Kramer, der alles hatte, was man zum Überleben brauchte. Es war für mich als Kind ein Genuss, wie fernsehen, wenn ich das rege Treiben beobachten konnte. An der Hauswand waren ein Zigaretten- und Kaugummiautomat angebracht und ich übernahm als kränkelndes Kind die Oberaufsicht, wer sich wann, etwas aus einem der Automaten zupfte. Das war das Facebook, der damaligen Zeit und lenkte mich von meinen Schmerzen ab.

Auch mein erster Krankenhausaufenthalt mit fünf Jahren, war mit Ablenkung auszuhalten. Da ich nicht auf die Kinderstation durfte, weil diese damals überbelegt war, steckten sie mich in ein Zimmer mit Erwachsenen. Die waren natürlich sehr bemüht und hofierten mich. Dennoch machte ich mich aus dem Staub und konnte ungesehen aus dem Zimmer fliehen. Ich wollte wissen, wo der Bär steppt und habe mich heillos im Krankenhaus verlaufen. Zum Glück wurde ich noch rechtzeitig eingefangen und landete kurz darauf im OP.

Diese verlief nicht ganz glimpflich, weil mein Kreislauf kollabierte. Was für meine Eltern natürlich für Aufregung sorgte, fand ich irgendwie spektakulär. Ohne zu wissen was ein kollabierter Kreislauf ist, fand ich das interessant und plapperte es einfach nach.

So war das eben als Kind, völlig unbeschwert, hatte ich aus allem das Beste gemacht, bis auf mein Mützentrauma. Nachdem mein zweiter Vorname Sinusitis war, und ich ständig entzündete Nebenhöhlen hatte, durfte ich gefühlt an maximal 10 Tagen im Jahr, ohne Kopfbedeckung das Haus verlassen. Ich hatte sie in allen Farben und Variationen, sogar mit angenähten Ohrenschützern. Im Winter trug ich eine Schiwagomütze  aus echtem Pelz. Ich sah aus wie ein Volltrottel und das Schlimmste daran war, man hielt mich immer für einen Jungen.

Obwohl ich in meiner Jugend und weit darüber hinaus, alles was einer Mütze ähnelte, boykottierte, liebe ich sie heute um so mehr. Ich bin eine bekennende Haubentaucherin und genieße es, wenn mein Kopf und meine Ohren gut untergebracht sind.

Den Kinderschuhen entwachsen, war ich immer noch in der Lage aus jeder schmerzhaften Situation, das Beste zu machen und dem ganzen mit Humor zu begegnen.

Selbst Geburtswehen, die ebenfalls humorlos daherkommen, sind mit soviel Vorfreude bestückt, dass sie sofort wieder in Vergessenheit geraten. Mit Wehen allein wollte ich mich allerdings nicht zufriedengeben, also erhielt ich dann noch einen Notkaiserschnitt mit Blinddarmentfernung. Frau gönnt sich ja sonst nichts. Aber mit einem gesunden Baby belohnt zu werden, lässt jeglichen Wundschmerz verblassen.

Jede Bewegung und jedes Lachen, löste neue Schmerzen aus, aber das tat meiner Freude keinen Abbruch. Wir hatten eine Megastimmung in unserem Zimmer. 

Meine Frohnatur und eine gute Portion Humor ließen mich alles irgendwie überstehen, bis sich die Migräne in mein Leben drängte. Niemand hat sie gerufen! Oder vielleicht doch? Aber das ist eine andere Geschichte.

Migräne jedenfalls ist humorlos, da sind wir uns alle einig. Außerdem ist ihr Ruf alles andere als prickelnd. Sie wird auch bis heute noch stigmatisiert und erhält nicht die Aufmerksamkeit, die ihr zusteht. Viele der Betroffenen outen sich erst gar nicht, weil sie Angst haben nicht verstanden zu werden, oder dass sie sofort in einer Schublade landen.

Frauen sind viel häufiger damit konfrontiert als Männer und so läuft die Migräne unter der Hand eigentlich als Frauenleiden. Somit werden betroffenen Männer noch weniger ernst genommen, weil die Diagnose mit Weiblichkeit und Schwäche assoziiert wird. Ich denke die Dunkelziffer der Männer, die an Migräne leiden, ist ziemlich hoch.

Wenn man betroffene Menschen, egal ob weiblich, oder männlich kennt, weiß man von ihnen, dass sie außergewöhnlich zuverlässig, pflichtbewusst und manchmal auch perfektionistisch veranlagt sind. Ich schließe mich hier nicht aus! Sie sehen in den schmerzfreien Phasen gesund und munter aus, hegen und pflegen sich und besitzen eine gute Portion Humor. Sie sind mit sehr weit geöffneten Sinnesfenstern ausgestattet, was nicht immer ein Segen ist, in einer überschnellen, überlauten und kunterbunten Welt.

Einer meiner  Ärzte sagte zu mir: “Sie sehen gar nicht so aus, als würden sie so unten diesen Schmerzen leiden. Sie kommen immer so frisch und fröhlich in meine Praxis und haben so eine Leichtigkeit bei sich, ganz abgesehen von ihrem Humor!“

Ja, so sind wir……..die, die an Migräne leiden, die sich die Seele aus dem Hals kotzen, die in dunklen Zimmern abtauchen, die nichts mehr essen können, weil plötzlich alles was man ansonsten gerne isst, schon grauenhaft riecht. Wir, deren Augenringe bis unter die Kniekehle reichen, die Hosen auf Halbmast tragen, weil sie zum Glück noch an den herausstehenden Hüftknochen hängenbleiben.

In diesem Moment sieht uns ja keiner, denn wir sind während eines Anfalls nicht mehr in der Lage in eine Praxis zu gehen, um uns krankschreiben zu lassen. Wir machen alles mit uns selbst aus, warten, bangen und bitten bis alles vorüber ist. Dann steigen wir wie Phönix aus der Asche und nehmen am pulsierenden Leben teil, als wäre nichts gewesen.

Deshalb gibt es von mir auch keine Krankenakte, denn das Rezept für neue Medikamente, gab’s auch telefonisch und die Pillen wurden von den Apotheken in’s Haus geliefert. Muss ja alles im Zeitmanagement untergebracht werden. Und wer mit der Angst im Nacken lebt, der lässt seine Medikamente nieeeeeemals ausgehen.

Also mit bis 18 Schmerztagen im Monat, und das über Jahrzehnte, hätte ich wohl schon Rente beantragen können. Allerdings hätte ich noch mehr Chemie in mich hineinschütten müssen, um austherapiert zu sein.

Du hast als Migränepatient keine großen Wahlmöglichkeiten, wenn es um alternative Behandlungen geht. Also greifst du immer wieder in die eigene Tasche und investierst jede freie Minute, um auf deinem Heilungsweg zu bleiben, in der Hoffnung, Erfolg zu haben.

Aber meine Reise hat sich gelohnt. Es hat sich gelohnt, dran zu bleiben, an mich zu glauben, mich selbst zu achten und zu lieben. Ich habe mich finanziell so weit aus dem Fenster gelehnt und alles in mich investiert, dass mir manchmal ganz Angst und Bange wurde. Eine weitere Baustelle konnte ich mir jedoch nicht leisten, es reichte schon die Angst vor den Schmerzen.

Nichts ist unmöglich, und nach diesem Motto richtete ich mich täglich auf und tue es heute noch. Ich bin dankbar für mein Umfeld, meine Familie, meinen Partner, meine Freunde, die alle an mich glauben. Ich treffe auch online so viele wunderbare Herzensmenschen, die mich unterstützen, um mein Projekt sichtbar werden zu lassen.

Meine Vision ist es, dass so viele Menschen wie möglich, NEIN DANKE zu ihrer Migräne sagen und damit einen neuen Weg beschreiten, eine neue Ära einleiten, sich selbst treu bleiben, denn ein NEIN im Außen, bedeutet ein JA zu sich selbst!

NEIN DANKE, zwei unmissverständliche Worte, eine klare Aussage, eine Neuausrichtung!!!

Diese zwei Worte waren mein Statement zum Thema SchmerzFREIHEIT!


Wie sich alles weiter entwickelte, kannst Du in meinem Buch – Rendezvous mit meinem Schmerz  – lesen. Es erscheint im Oktober 2019

Oder lass‘ uns persönlich darüber sprechen und buche Dir ein kostenfreies Erstgespräch!

Alles Liebe

von MIR zu DIR

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